Magenza-Stiftung
MAGENZA setzt sich für neue Synagoge ein

Das jüdische Mainz soll ein repräsentatives Gemeindezentrum erhalten

Geplante Synagoge
Entwurf des Kölner Architekten Manuel Herz


FAZ Rhein-Main-Zeitung

„Magenza“, das alte jüdische Wort für Mainz, ist Inbegriff jüdischer Gelehrsamkeit und Kultur in Europa. Nach diesem bedeutsamen Begriff ist auch eine am Donnerstag gegründete Stiftung benannt, die sich die Förderung jüdischen Lebens in Mainz auf die Fahnen geschrieben hat. Um dies zu erreichen, sei „der Bau und die Unterhaltung einer Synagoge und eines Gemeindezentrums für die jüdische Gemeinde Mainz erforderlich“, heißt es in der Präambel der Magenza-Satzung.

Jeweils zwischen tausend und 10.000 Euro haben die 28 Gründungsmitglieder, darunter auch Landtagspräsident Joachim Mertes, in die Stiftung eingebracht. Der Verein „Eine neue Synagoge für Mainz“, auf dessen Initiative die Stiftungsgründung zurückging, beteiligte sich mit 20.000 Euro. Insgesamt sind bisher rund 70.000 Euro an Stiftungsvermögen zusammengekommen. Aus den Erträgen daraus solle der Betrieb und die Unterhaltung einer zu errichtenden Synagoge und eines Gemeindezentrums bezuschußt werden, teilte der Treuhänder Gerhard Kopf mit. Allerdings sei das Stiftungsvermögen noch nicht groß genug, es bedürfe weiterer Bürger, die sich bei Magenza engagierten.

Dreieinhalb Millionen Euro von der Stadt

Das neue Gotteshaus soll an der Hindenburgstraße entstehen, wo bis zur Reichspogromnacht am 9. November 1938 die alte Mainzer Hauptsynagoge stand. Das Projekt ist indes nicht neu: Schon seit 1999 existiert ein Entwurf von Manuel Herz, der damals als Sieger aus einem Architektenwettbewerb hervorging. Die neue Synagoge solle rund 450 Plätze bieten, so Stella Schindler-Siegreich, Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Mainz. „Wir haben mehr als tausend Mitglieder, aber in unserem Gebetsraum an der Forsterstraße nur rund hundert Plätze.“ Dies sei der Größe der Gemeinde nicht angemessen.

Ein Finanzierungsmodell sieht nach Schindler-Siegreichs Worten vor, daß Stadt, Land und Bund jeweils ein Drittel der Baukosten übernehmen. Zu diesem Thema stehe demnächst ein Gespräch in der rheinland-pfälzischen Staatskanzlei an; anschließend müsse mit dem Bund verhandelt werden, der Besitzer des betreffenden Grundstückes sei. Einen konkreten Fahrplan für den Bau der neuen Synagoge und des Gemeindezentrums gibt es Schindler-Siegreich zufolge aber noch nicht. „Es sollte aber so schnell wie möglich geschehen.“

Oberbürgermeister Jens Beutel, zusammen mit Ministerpräsident Kurt Beck (beide SPD) Schirmherr von Magenza, sagte von seiten der Stadt Unterstützung in Höhe von dreieinhalb Millionen Euro zu. Dies entspreche etwa einem Drittel der geschätzten Kosten. Zwar sei die Finanzsituation der Stadt schwierig, doch sei die Beteiligung „eine Frage von Moral und historischer Verantwortung“. Die Hauptsynagoge habe zusammen mit Dom und Christuskirche einst zur „geistigen, religiösen und kulturellen Silhouette der Stadt“ gehört. Schindler-Siegreich bezeichnete die Stiftungsgründung als „hoffnungsvolles und versöhnliches Zeichen“. Zum ersten Mal unterstützten auf diese Art Deutsche ihre jüdischen Mitbürger.

Informationen zur Magenza-Stiftung gibt es unter der Telefonnummer 0 61 31/20 47 80.
Text: olko., F.A.Z.
Bildmaterial: Computeranimation Herz